Andrea Ypsilanti (SPD) fordert Ausbildungsplätze für alle ausbildungsfähigen Jugendlichen

Die hessische SPD-Vorsitzende hatte in Offenbach gemeinsam mit der sozialpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Petra Fuhrmann, und der Offenbacher Landtagsabgeordneten Heike Habermann die MainArbeit GmbH (Arbeitsgemeinschaft – ARGE – der Stadt Offenbach und der Bundesagentur für Arbeit in Offenbach) und die GOAB Ausbildungswerkstatt besucht. Offenbach nehme bei der integrierten kommunalen Wirtschafts-, Ausbildungs- und Beschäftigungsförderung seit langem eine Vorreiterrolle ein, die Ausbildungswerkstatt der GOAB (Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft), biete durch Förderung der Agentur für Arbeit und der Jugendämter von Stadt und Kreis Offenbach zusätzliche Ausbildungsplätze an.

„Die Landesregierung hat bei der Lehrstellenproblematik aus ideologischen Gründen einzig und allein auf die Zusagen der Wirtschaft vertraut, die sich aber schon in den Vorjahren als höchst unzuverlässig erwiesen hatten. Eigene Anstrengungen zur Verstärkung der Ausbildung im Landesdienst und zur verstärkten Förderung von betrieblicher, außerbetrieblicher und vollschulischer Ausbildung seien praktisch vollkommen ausgeblieben beziehungsweise vorhandene Initiativen wurden zurückgefahren. Damit trage Ministerpräsident Koch persönlich die Mitschuld daran, dass Tausende junger Menschen derzeit ohne berufliche Perspektive bleiben, so Ypsilanti.

Ypsilanti, Fuhrmann und Habermann erläuterten noch einmal die Eckpunkte der Ausbildungsinitiative zur Schließung der bestehenden "Bewerberlücke", die die SPD-Landtagsfraktion bei ihrer Klausurtagung beschlossen hatte. Dabei handele es sich um ein Bündel von Maßnahmen, wie zum Beispiel
•Zuschüsse an Betriebe für neu zu schaffende Ausbildungsplätze,
•Ausweitung des Angebots an vollschulischer Ausbildung an den beruflichen Schulen,
•Ausweitung der Ausbildung im Landesdienst um 10%,
•Zuschüsse an Maßnahmeträger für überbetriebliche Ausbildungsplätze
Für diese Maßnahmen sollten nach dem Willen der SPD 2008 und 2009 jeweils 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

Zuvor hatten der Leiter der Main Arbeit GmbH, Dr. Matthias Schulze-Böing, der Leiter der GOAB, Jürgen Schomburg und die Landtagsabgeordnete Heike Habermann die Situation auf dem Offenbacher Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und die Entwicklung der kommunalen Gegenstrategien erläutert. Die Zahl arbeitsloser Jugendlicher habe in Offenbach durch zahlreiche vernetzte Maßnahmen im letzten Jahr überdurchschnittlich gesenkt werden können, sagte Schulze-Böing.

Ypsilanti zeigte sich vom Umfang, vom konzeptionellen Ansatz und von der Qualität der Maßnahmen der MainArbeit und der GOAB beeindruckt. Seit vielen Jahren werde in der Stadt Offenbach eine beispielgebende und über die Landesgrenzen hinaus anerkannte Ausbildungs- und Beschäftigungspolitik betrieben. Das Konzept der Produktionsschulen und die Vernetzung zwischen Schule, Eingliederungsmaßnahmen und Arbeitsvermittlung unter der Federführung der Kommune seien Richtung weisend. „Solche integrierten Angebote muss die Landesregierung besser stärker finanziell fördern und langfristig absichern.“, forderte Ypsilanti. Durch das bestehende Angebot an überbetrieblicher Ausbildung bei der GOAB und die gute Zusammenarbeit mit der MainArbeit GmbH und ihren Qualifizierungs- und Aktivierungsmaßnahmen sei es in Offenbach möglich, jedem ausbildungsfähigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. „Das muss hessenweit Standard werden“, so die SPD-Landesvorsitzende.

Die Gespräche hätten zudem einmal mehr bestätigt, dass das Schulsystem wesentlich stärker einbezogen werden müsse, um dem Problem der mangelnden Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen entgegenzuwirken, so Ypsilanti nach dem Besuch bei der GOAB. Die Defizite der hessischen Bildungspolitik würden auf dem Ausbildungsmarkt überdeutlich. Wenn Jugendliche im dreigliedrigen Schulsystem nach unten bis zur Haupt- und Sonderschule als „Restschulen“ durchgereicht würden, dürfe man sich nicht wundern, wenn die Motivation nachlasse, die Abbrecherquoten hoch seien und viele Jugendliche als „nicht ausbildungsfähig“ abgestempelt würden. Die Koch-Regierung habe zu diesem – tendenziell zunehmenden – Problem keinen Vorschlag und keine Idee, „nur ein dumpfes ‚weiter so’.“ Habermann und Ypsilanti verwiesen in diesem Zusammenhang auf das SPD-Konzept „Haus der Bildung“ zur Fortentwicklung des hessischen Schulsystems. Es sehe neben pädagogischer Ganztagsschule und längerem gemeinsamen Lernen auch mehr frühkindliche Bildung vor. „Wir können täglich darüber lamentieren, dass viele Jugendliche im Elternhaus nicht mehr genug gefördert werden und dass das ‚abgehängte Prekariat’ wächst. Das hilft uns aber kaum weiter. Die Reformbaustellen des Bildungssystems müssen endlich angegangen werden“ forderte die SPD-Landesvorsitzende. „Wir brauchen ein Schul- und Ausbildungssystem, in dem jeder Jugendliche das Gefühl hat, gewollt, gebraucht und gefördert zu werden.“