Nancy Faeser (SPD-Zukunftsteam Justiz) gegen hessische Bootcamps

Die US-amerikanische Idee, den Willen und die Würde von Menschen in Bootcamps zu brechen, produziere am Ende „brutalstmögliche“ Kriminelle: "Vor diesen Auswüchsen müssen wir die Menschen schützen", so Faeser. Das Endstadium einer solchen Ideologie könne man an vielen Orten in den USA besichtigen: Gefangene, die sieben Tage die Woche in Dunkelhaft säßen – oder in der schlimmsten Form: Das Straflager Guantanamo. "Roland Koch wandelt hier auf den Spuren der US-Republikaner und von George W. Bush. Wir Sozialdemokraten wollen keine solchen amerikanischen Verhältnisse in Deutschland", so die SPD-Justizexpertin.

Faeser verwies darauf, dass Roland Koch 130 Stellen bei Staatsanwälten und Richtern, 1.186 Stellen bei der Polizei und über 100 Stellen im Justizvollzug abgebaut habe. Die Folge seien eine 80-prozentige Rückfallquote bei jugendlichen Straftätern, jahrelange Strafverfahren und eine Aufklärungsquote die im bundesdeutschen Vergleich nur den zwölften Platz erreiche. "Statt US-Bootcamps wie Roland Koch zu fordern, sollten wir uns beispielsweise lieber die Schweiz oder die offene Jugendeinrichtung von Kannenberg in Diemelstadt zum Vorbild nehmen", forderte Faeser. Im hessischen Diemelstadt erziele die dortige offene Jugendeinrichtung eine Rückfallquote von unter zehn Prozent, in der Schweiz sei mit modernen pädagogischen Erziehungsmethoden eine Rückfallquote von 30 bis 40 Prozent üblich." Diese beiden Ansätze seien „der richtige Weg, den wir in Hessen gehen müssen. Bootcamps dagegen werden nur noch mehr Opfer produzieren", so Faeser.