Bessere Absetzbarkeit von Haushaltshilfen bringt den meisten Frauen und Müttern wenig

Petra Fuhrmann, Stv. Fraktionsvorsitzende und Frauenpolitische Sprecherin

Sehr geehrte Frau Müller-Klepper,
über Ihre Pressemeldung von heute, mit der Sie eine stärkere Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen fordern, habe ich mich schon sehr gewundert. Ausgerechnet den Muttertag als Anlass für eine Erklärung in Sachen Frauenpolitik zu nehmen, ist schon mehr als befremdlich. Richtig peinlich wird aber die Sache dadurch, dass Sie offenkundig überhaupt keine Vorstellung davon haben, mit welchen Problemen Mütter tatsächlich zu kämpfen haben.
Es sei jeder Familie gegönnt, wenn sie sich eine Haushaltshilfe leisten kann, das ist überhaupt keine Frage. Das ist aber nicht die Regel. Gerade die Alleinerziehenden und gerade die Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssen, haben nicht das Geld zur Verfügung, um sich von dem Riesenpensum, das Sie richtig beschrieben haben, entlasten zu können. Es ist doch weiß Gott nicht das Problem, dass Vorbehalte gegen Dienstleistungen bestünden, weil diese als Luxus gelten würden. Das ist absoluter Unsinn! Es ist schlicht und einfach das Problem, dass sich diese ganz normalen Familien diesen Luxus nicht leisten können. Wer ganz normale Einkünfte hat und davon auch noch Kinder ernähren, einkleiden und bilden will, kann sich auch keine noch so geringe Unterstützung durch Haushaltshilfen leisten. Schauen Sie sich doch mal die Kosten an, die für Miete und Nebenkosten, Benzin und alles Sonstige notwendig sind. Wovon soll eine Familie das bezahlen? Kämpfen Sie endlich mit dafür, dass wir wenigstens einen Mindestlohn bekommen, damit wäre schon was erreicht. Und das würde im Übrigen gerade vielen Frauen helfen, denn die sind im Niedriglohnsektor überproportional vertreten.

Ja, für die Pflege der älteren Familienangehörigen sollen die Frauen auch sorgen. Sie tun es übrigens schon die ganze Zeit, es wird nur jetzt erst im größeren Maße wahrgenommen. Aber auch hier sorgen Sie und ihre zuständige Ministerin in Berlin dafür, dass alles an den Frauen hängen bleibt. Mit Lohnverzicht sollen die Frauen dazu beitragen, dass sie Beruf und Pflege verbinden können. Nichts anderes beinhaltet der Vorschlag Ihrer Parteikollegin, der Familienministerin Schröder. Wer pflegen will, muss sich sein Gehalt kürzen lassen. Und dabei profitiert unser Gemeinwesen davon, dass Frauen diese Aufgabe übernehmen. Denn die Pflege zu Hause ist allemal billiger als die in Einrichtungen. Aber die Zeche zahlen sollen wieder einmal alleine die Frauen.
Sehr geehrte Frau Müller-Klepper, angemessen zum „Muttertag“ wäre es gewesen, endlich einmal auch die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau in der Familie zu thematisieren. Salbungsvolle Worte des Dankes und Forderungen zur besseren Absetzbarkeit von Haushaltshilfen, die sich die meisten nicht leisten können, sind keine frauenpolitischen Forderungen. Sie hätten besser geschwiegen!
Mit freundlichen Grüßen

Petra Fuhrmann
Stv. Fraktionsvorsitzende und
Frauenpolitische Sprecherin